KRITIK DER WOCHE

Dark Shadows
Normalerweise kommt ein neuer Film von Tim Burton, in dem Johnny Depp die Hauptrolle spielt, mit Getöse in die Kinos (zuletzt etwa "Alice im Wunderland"), doch im Fall von "Dark Shadows" geschieht dies auffallend leise. Mag das an der mangelnden Qualität des Films liegen?
Jedenfalls erzählt Burton diesmal die Kultserie "Dark Shadows" fürs Kino, mit Depp in der Hauptrolle und Michelle Pfeiffer und Helena Bonham Carter in weiteren Rollen. Großes Starkino also. Die Geschichte handelt von einer Auswandererfamilie, die im 18. Jahrhundert von England über den großen Teich in die USA reisen, weil sie so hoffen, einem geheimnisvollen Fluch zu entkommen, der auf der Familie lasten soll. 20 Jahre später ist aus dem kleinen Sohn Barnabas (Depp) ein erwachsender Mann geworden, der in dem Ort Collinsport in Maine zu Reichtum und Macht gekommen ist. Doch als er, der in der Gegend als Frauenheld bekannt ist, das Herz von Angelique Bouchard (Eva Green) zu brechen, scheint der Fluch die Familie wieder einzuholen: Die Frau ist nämlich eine waschechte Hexe, die ihn in einen Vampir verwandelt und ihn lebendig begräbt.
200 Jahre später, im Jahr 1972, wird Barnabas aus seiner Gruft durch einen Zufall befreit und muss mitansehen, wie die Nachkommen seiner Familie unter dem Fluch leiden. Die Matriarchin Elizabeth Collins Stoddard (Michelle Pfeiffer) hat die Psychiaterin Dr. Julia Hoffman (Helena Bonham Carter) ins Haus geholt, um ihre Familienprobleme in den Griff zu bekommen. Doch das ist schwieriger als gedacht. Burtons "Dark Shadows" kommt in gewohnter düsterer, Burton-typischer visueller Inszenierung daher, und wie gewohnt ist Depp darin als künstlich überhöht gezeichnete Figur besetzt. All die Qualitätsmerkmale einer Depp-Burton-Kollaboration sind vorhanden, und doch will das Traum-Duo diesmal nicht so wirklich überzeugen. Vielleicht hat man sich an das Gespann schon zu sehr gewöhnt, vielleicht setzt sich auch die eher träge Inszenierung des Vorgängers "Alice im Wunderland" fort, die zwar zuckerlbunt, aber niemals überzeugend war. Es hat einen Grund, warum "Dark Shadows" auf so leisen Sohlen in die Kinos schleicht.

Details zum Film

Filmjournalist Matthias Greuling studierte Publizistik in Wien und Filmregie in New York. Heute schreibt er u.a. für M* magazine, celluloid Filmmagazin sowie die "Wiener Zeitung". Matthias Greuling
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